Erfahrungsbericht zur Gaumensegeloperation.
Vorgeschichte:
Im November 2006 übernahmen wir eine
19 Monate alte Französische Bulldogge als Zweithund zu unserer anderen
französischen Bulldogge. Rassespezifische Problematiken dieser Rasse
waren uns aufgrund guter Rassekenntnisse nicht unbekannt. Schon bei
einem Treffen vorab wo wir den Hund begutachteten viel uns ein
vermehrter Speichelfluss sowie öfters Ausspucken von zu weißem Schaum
aufgeschlagenem Schleim auf, welcher unter anderem auch geringe
Futtereste beinhaltete. Des Weiteren bemerkten wir bei einem
Spaziergang Atmungsgeräusche in Form von einer Art vor sich hin
glucksen. Nach einem kleinen Sprint von ungefähr 100 Metern war der
Hund stark am hecheln verbunden mit einer heftigen Geräuschkulisse (
Röcheln / Rasseln ) der Atemwege. Ebenso zeigte sich ein daraus
resultierender Leistungsverlust welcher sich bemerkbar machte. Der Hund
legte sich nach dem kurzen Sprint hin, streckte seine Beine ab und
versuchte sich zu kühlen wobei er ständig wieder die Liegeposition
wechselte. Auch wurde wieder vermehrt weißer zu Schaum aufgeschlagenem
Schleim erbrochen. Anmerken möchte ich noch das Jahreszeit bedingt
relativ kalte Außentemperaturen herrschten. Nachdem wir den Hund
aufgenommen hatten zeigte sich bei täglicher Fütterung folgende
Problematik: Schnelle Futteraufnahme mit einer verbundenen starken
lauten Geräuschkulisse „Grunzen“ sowie rasseln. Kurze Zeit nach der
Futteraufnahme erbrach der Hund mehrmals große wie zu Eischnee
aufgeschlagene Schleimberge mit Futter. Beim gemeinsamen Spiel mit
unserer anderen französischen Bulldogge stellten wir nach einer Dauer
von etwa maximal 10 Minuten einen starken Leistungsverlust fest, lautes
hecheln/röcheln sowie die schon oben beschriebenen abkühl Versuche. In
der Ruhezeit des Hundes ( Schlaf ) schnarchte der Hund sehr stark und
versuchte aus sich selbst immer den Kopf so zu legen das er besser Luft
bekam. Ein drehen des Hundes auf dem Rücken um z.B. den Bauch zu
streicheln , was er sehr gerne hat ist so gut wie nicht möglich gewesen
da er dann ebenfalls stark anfing zu röcheln und keine Luft bekam.
Eigendiagnose:
Typische Merkmale in Anbetracht des
auftretende brachycephale Syndrom bei Franz. Bulldoggen Starke
Schleimbildung bei Aufregung welcher aufgrund einer Enge im Rachen
nicht richtig abfließen kann. Besagte Enge resultierend durch ein viel
zu langes Gaumensegel welches den Rachen zusätzlich verengt und
aufgrund der Länge die Atemwege blockiert. Der unzureichend abfließende
Schleim wird durch das zu lange Gaumensegel zu Schaum aufgeschlagen
welcher wiederum nicht abfließen kann und bedingt durch den Würgreflex
erbrochen. Leistungsverlust bedingt durch schlechte Sauerstoffzufuhr.
Expertendiagnose
Nach einem Vorgespräch mit unserer
Haustierärtztin welche unsere Eigendiagnose bestätigte, entschlossen
wir uns den Hund bei uns in der nahe gelegenen Tierklinik vorzustellen.
Vorbereitet für den Besuch in der Klinik wurden unter anderem Videos
und Fotos welche die Futteraufnahme und die damit verbundene
Geräuschkulisse zeigten sowie das anschließende Erbrechen des Schleimes
nach der Futteaufnahme. Ebenso vorbereitet ein Video vom kurzen Spiel
der Hunde, um den daraus resultierenden Leistungsverlust / Unterschiede
beider Hunde darzustellen.
Aufgrund von speziellen positiven
Erfahrungsberichten anderer Halter französischer Bulldoggen als auch
eigener guten Erfahrungen haben wir den Hund in der Tierärztlichen
Klinik für Kleintiere am Kaiserberg in Duisburg am 16.11.2006 bei Fr
Dr. Klesty vorgestellt. Auch Frau Dr. Klesty bestätigte unsere
Diagnose. Befund waren ein offensichtlich zu langes Gaumensegel als
auch eine generelle Enge im Rachenraum, letztere mitunter resultierend
von geschwollener Mandeln bedingt durch deren ständiger Reizung durch
das vibrierende überlange Gaumensegel ) Frau Dr. Klesty empfahl zur
Problemlösung eine Kürzung des Gaumensegels sowie eine genauere
Untersuchung des Rachenraums und Luftwege der Nase wobei sofern es sich
erforderlich zeige zusätzlich die Mandeln entsprechend entfernt würden.
Ferner machte sie darauf aufmerksam dass es durchaus möglich sei, dass
das Gaumensegel geringfügig nachwachse.
Die Operation:
Am 1.12.2006 fanden wir uns zum
vereinbarten OP Termin in der Klinik ein. In einem Vorgespräch wurde
nochmals erklärt was genau bei der Operation gemacht werden soll sowie
der genaue voraussichtliche Verlauf. Gegen Mittag erfuhren wir
telefonisch vom Diensthabenden Stationsarzt das der Hund die OP (
Kürzung des Gaumensegels, Entfernung der Mandeln sowie die zuvor
zusätzlich vereinbarte Kastration ) gut überstanden habe aber noch fest
am schlafen sei. In einem telefonischen Gespräch mit Frau Dr. Klesty am
frühen Abend wurde uns geraten den Hund auch über Nacht in der Klinik
zu belassen, er sei zwar inzwischen ansprechbar aber noch zu
geschwächt. Es wurde vereinbart am folgenden Tag nochmals in der Klinik
anzurufen. Am 2.12.2006 wurde uns mitgeteilt dass der Hund nun
entlassen werden kann, seine Vitalität sei wieder hergestellt und eine
Aufnahme der Schonkost habe er auch nicht verweigert. Den Hund nahmen
wir also in der Klinik in Empfang und sofort wurden wir noch zu einem
Nachgespräch mit Frau Dr. Klesty gebeten. Diese erklärte uns nochmals
was sie bei der OP vorgefunden habe. Das Gaumensegel sei beträchtlich
zu lang gewesen, die Mandeln geschwollen und aufgrund eines sehr
fleischigen engen Rachenraumes habe sie entschieden diese mit zu
entfernen. Die Luftwege der Nase/ Nasenlöcher lägen durchaus im Rahmen
des normalen und bedürfen keiner weiteren Operation. Des Weiteren wurde
Schonung von mindestens 10 Tagen verordnet sowie ein Antibiotikum.
Zusätzlich bekam der Hund Cortison zum Abschwellen gespritzt. Schon bei
dem verlassen der Klinik bemerkten wir das der Hund fast geräuschlos
atmete.
Nach der O.P.:
Am zweiten Tag nach der OP bekam der
Hund seine erste kleine Portion Futter. Frau Dr. Klesty hatte kleine
Portionen Weichfutter verordnet, damit der von innen durch die OP wunde
Hals nicht unnötig gereizt wird. Somit fütterten wir Babygläschen mit
Fleisch gemischt, weich gekochte Nudeln mit Fleisch und Gemüse oder
auch Kartoffelpüree mit Fleisch und Gemüse. Schon ab der 1. Fütterung
nach der OP zeigte der Hund nicht mehr die Geräuschkulisse beim Fressen
wie vor der OP, ein Erbrechen nach dem Fressen blieb ebenfalls sofort
aus und ist während der gesamten Zeit seit dem nicht wieder
vorgekommen. Am Mittwoch wurden wir zur ersten Kontrolle bei unserer
Haustierärztin vorstellig, auch sie bemerkte schon zu diesem Zeitpunkt
eine völlige Verbesserung seiner Atmungssituation, obwohl noch innere
Schwellung bedingt durch die OP vorlagen. Sein Allgemeinzustand war
hervorragend. Am Freitag registrierten wir, dass seine Atmung doch
zusehends rasselnder wurde, ein erneuter Besuch bei unserer
Haustierärztin wurde fällig. Unsere Tierärztin gab mehr oder weniger
Entwarnung, gab aber zur Unterstützung des Heilungsprozesses und zur
Erleichterung für den Hund eine erneute Cortison-Spritze. Danach konnte
man eine tägliche Verbesserung der Atmung beobachten bzw. hören. Eine
letzte Nachkontrolle erfolgte nach einer weiteren Woche, weitere
Medikamente waren nicht mehr notwendig, unsere Tierärztin war absolut
zufrieden und hat die Behandlung damit abgeschlossen. Veränderungen
beim Hund Keine Frage, dem Hund fehlte es an Kondition, aber wie sollte
er auch Kondition aufbauen, wo er doch ständig unter Sauerstoffmangel
litt? Konnte er am Anfang allenfalls 3 -5 Minuten mit der Hündin
spielen, musste sich dann erst wieder erholen in dem er sich auf dem
Boden abkühlte, so gewann er mit jedem Tag neue Energie dazu. Schon
nach nur zwei Wochen tobten die Beiden hier locker 1.5 Stunden,
schenkten sich beide nichts, rangelten und jagten sich quer durch die
Gegend. Beide waren gleichzeitig müde, beide erholten sich
gleichzeitig. Draußen hörte man den Hund gar nicht mehr, das Glucksen
wurde immer weniger, ist heute nur noch dann zu vernehmen, wenn es
besonders toll an einer Stelle riecht. Schaum wird draussen nicht mehr
ausgebrochen, teilweise erfolgt ein Spückerchen bei starker Anstrengung
oder Aufregung. Das kann man aber mitunter auch bei unserer Hündin
beobachten, die niemals Probleme bei der Atmung zeigte. Was zwar etwas
weniger geworden ist, aber dennoch massiv vorkommt, ist das Speicheln
oder Sabbern. Dicke Speichelfäden ziehen sich auch den Lefzen an den
Seiten hervor, nur draußen, drinnen nie. Mitunter besteht eine
Überfunktion der Speicheldrüsen welches wir aber noch extern abklären
werden. Eine neue Lebensqualität ist auch, dass von nun an der Hund
sich auch auf den Rücken drehen kann, um die Streicheleinheiten zu
genießen. Das war vorher undenkbar. Das Schnarchen ist weniger
geworden, ist aber auch von der Schlafposition abhängig. Hier sucht der
Hund immer noch nach der angenehmsten Position, um leichter Atmen zu
können. Mittlerweile ist es wärmer draußen geworden, der Hund ist trotz
OP gehandikapt, man merkt es. Er hechelt im Vergleich zu der Hündin
wesentlich mehr, die Geräuschkulisse ist weitaus heftiger jedoch nicht
bedrohlich.
Oft fragen wir uns, wie wäre er jetzt
ohne die OP? Wir bereuen diesen Schritt nicht, wir sind davon
überzeugt, dass wir dem Jungen eine völlig neue Lebensqualität
geschenkt haben, die er ohne OP niemals gehabt hätte. Trotz Handicap
ist er draußen kaum zu bremsen, aber er wird immer anders sein als
andere Hunde, aber Er hat es besser als viele andere Vorangegangenen.
Unsere Worte zur Rasse:
Tja, die französischen Bulldoggen
mögen es einem angetan haben, man liest viel drüber etc, etc. Jedoch
ein Statement meinerseits: Die franz. Bulldogge ist kein Couchpotato,
sie ist eigentlich ein Hund wie jeder andere. Dementsprechend behandelt
diese auch entsprechend. Wenn euch etwas merkwürdig erscheint fragt
euch durch, schaut nach einem Züchter im DHSU sowie dem IKFB. Mitunter
fragt uns, aber wartet des Hundes willen nicht zu lange sofern
Gesundheitliche Bedenken bestehen.
Jederzeit werden wir, soweit es unsere Zeit zulässt mit Rat und Tat zur Stelle sein. Kontakt :
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Ja und für alle die es interessiert
hier die OP Kosten : 16.11.06 Konsultation : 13.54 Euro 1.12
Klinikeinstellung wg. Chirogischer Erkrankung : Station 13,42 Euro
Injektion s.c. 4,67 Euro Injektion i.m./ s.c. 6,93 Euro 1.12. Operation
Gaumensegel kürzen 127,82 Euro Narkose Inhalation 32,21 Euro Injektion
i.v. 11,55 Euro Braunüle 14,42 Euro Infusion 13,51 Euro Injektion
i.m/s.c 6,62 Euro Kastration 40,90 Euro OP. Konsillektomie 122,71
02.12.2006 Station 13,42 Euro Konsultation 9,12 Euro Injektion im/ s.c.
7,54 Euro Injektion i.m./s.c. 8,41 Euro
Gesamt: 528,92 Euro incl 16 %
Direkter Kontakt zur Klinik:
Tierärztliche Klinik für Kleintiere am Kaiserberg Dr. Saers Dr. Klesty
Dr. Kresken Dr. Bausch Wintgenstr. 81-83 47058 Duisburg Tel.
0203/305370 Fax: 0203/342979 Homepage : http://www.tieraerztliche-klinik.com/
Wir danken unserem Mitglied S. Goffings für diesen Bericht.
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